Gesund leben

Darf man rohen Teig essen?

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von Beke Enderstein

5.12.2020

Roher Teig wird inzwischen als "Cookie Dough" in Szene-Bars verkauft – aber darf ich den Kuchen- und Plätzchenteig aus der eigenen Küche auch essen? Kommt auf die Zutaten an. Ich zeige dir, wann du aufpassen musst.

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Inhaltsverzeichnis:

Cookie Dough: Roher Teig erobert die Metropolen

Einer der verführerischsten Food-Trends der letzten Jahre ist bei mir um die Ecke entstanden: Cookie Dough.

Die Legende geht so: Eine mit Zwillingen schwangere Frau hatte so großes Verlangen nach Keksteig, dass sie kurzerhand eine Ei-freie Variante kreierte. Denn rohes Ei kam für sie als werdende Mutter aus gesundheitlichen Gründen (z. B. Salmonellengefahr) nicht in Frage.

Sie war mit dem Teig sehr zufrieden. Und eine Weile später – nachdem das Rezept perfektioniert worden war – bekam dieser Teig ein größeres Publikum: Zunächst konnten Süßschnäbel den ungebackenen Keksteig auf einem Berliner Street Food Market ausprobieren bzw. löffeln.

Letzteres erklärt übrigens, warum der Trend, rohen Teig zu essen, auch als „Spooning“ bezeichnet wird.

Dass sich parallel zur Berliner "Cookie-Dough-Bewegung" im Jahr 2017 in New York ein regelrechter Hype um „Cookie Dough“ entwickelte, kurbelte die Nachfrage dermaßen an, dass ganz in meiner Nähe die erste Berliner Cookie-Dough-Bar eröffnete – und bis heute boomt.

Konfettikekse Auch wenn roher Teig lecker ist: Es geht doch nichts über frisch gebackene Konfettikekse. Foto: SevenCooks

Rohen Teig zu naschen, ist also sehr angesagt. Aber können wir das auch zuhause nachmachen?

So könnten wir die Ergebnisse unserer Backkunst zwei Mal genießen: Einmal bereits während des Backens - und dann nochmal, wenn unser Gebäck fertig ist.

Die große Frage ist deshalb: Können wir das ohne Bedenken machen oder müssen wir vorsichtig sein, wie die schwangere Erfinderin des Cookie Dough?

Ich zeige dir, wann du bedenkenlos zuschlagen kannst.

Gesundheitliche Risiken durch rohen Plätzchenteig

Der Cookie Dough, den du in angesagten Bars kaufen kannst, unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt von dem, den du zuhause zubereitest: Er ist dafür gedacht, roh gegessen zu werden.

Man könnten ihn zwar theoretisch auch backen, aber das ist nicht die Idee dahinter.

Weil er als Raw Food verkauft wird, muss er wie jedes Lebensmittel im Handel bestimmte Vorgaben erfüllen, die gesundheitliche Risiken minimieren.

Dein Teig zuhause ist in der Regel zum Backen gedacht - seine Verträglichkeit im Rohzustand wird nicht vom Gesundheitsamt kontrolliert.

Darum musst du dich selber kümmern. Aber keine Sorge: Ich helfe dir dabei.

In den nächsten Abschnitten zeige ich dir, welche Zutaten deinen Teig unverträglich machen und welche sogar gefährlich.

Welche rohen Teigzutaten sind problematisch?

Dass von rohen Eiern ein gewisses Gesundheitsrisiko ausgeht, ist dir vermutlich bekannt. Allerdings heißt das nicht, dass du Ei-freien oder veganen Teig ohne Vorsicht ungebacken naschen darfst.

Neben Eiern gibt es nämlich weitere Zutaten im rohen Teig, die Bauchschmerzen und Co. auslösen können.

Kritische Zutaten in rohem Teig:

  • Eier
  • Mehl
  • Backpulver
  • Hefe

Vegane Schokokekse mit Cranberries Lecker und gut verträglich sind diese veganen Schokokekse mit Cranberries. Foto: SevenCooks

Eier

Rohe Eier im Teig können mit Salmonellen belastet sein und zu einer Lebensmittelinfektion führen. Insbesondere dann, wenn die Eier nicht ganz frisch sind, ist das Risiko von Krankheitserregern nicht auszuschließen.

Die Gefahr einer Salmonellen-Infektion steigt zusätzlich, wenn du rohen Teig bei Zimmertemperatur aufbewahrst. Laut Robert Koch Institut (RKI) vermehren sich Salmonellen vor allem bei Temperaturen zwischen 10° C und 47° C. Genau dieser Temperaturbereich herrscht mit großer Wahrscheinlichkeit in deiner Küche.

Achtung: Um eine Salmonelleninfektion auszuschließen, musst du rohe Eier laut Robert Koch Institut (RKI) für mindestens zehn Minuten bei einer Temperatur über 70° C erhitzen.

Dattelkekse ohne Zucker Garantiert eifrei und nur mit Datteln gesüßt: Knusprige Dattelkekse. Foto: SevenCooks

Entsprechend solltest du keinen rohen Teig essen, der Eier enthält. In den boomenden „Cookie Dough“-Bars wird das Risiko einer Salmonelleninfektion umgangen, indem pasteurisierte Eier verwendet werden. Zusätzlich gibt es aufgrund der hohen Nachfrage auch vegane, rohe Teigmasse ohne gesundheitliches Risiko durch Salmonellen.

Falls du mal eine „Cookie Dough“-Bar testen möchtest, würde ich dir unbedingt Ei-freien, rohen Plätzchenteig empfehlen. Denn wenn die Zutaten nicht explizit als „Bio“ gekennzeichnet sind, handelt es sich sehr wahrscheinlich um industrielle Massenware. Und diese Eier harmonieren in keiner Weise mit einem nachhaltigen, bewussten Ernährungsverhalten.

Mehl

Neben Eiern gehört auch Mehl zu den Zutaten, von denen ein gesundheitliches Risiko im rohen Teig ausgeht. Laut Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit kann im Mehl das krankheitserregende Bakterium Escherichia coli (VTEC) vorhanden sein.

Achtung: Da sich VTEC im Temperaturbereich von 7° C bis 50° C vermehren kann, ist das Aufbewahren von rohem Teig bei Zimmertemperatur besonders riskant. Um VTEC zuverlässig abzutöten, müssen mehlhaltige Speisen laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für mindestens zwei Minuten bei mindestens 70 °C erhitzt werden.

Früchteplätzchen mit Apfel und Karotte Keksteig muss nicht immer aus Mehl sein, diese leckeren Früchteplätzchen mit Apfel und Karotte bestehen aus Haferflocken. Foto: SevenCooks

Doch nicht nur aufgrund von VTEC kann roher Teig problematisch für deine Gesundheit sein. Laut Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit kann nicht ausgeschlossen werden, dass Mehl zusätzlich mit Salmonellen und den Bakterien Bacillus cereus verunreinigt ist.

Vorsicht: Die möglicherweise im Mehl bzw. im rohen Teig enthaltenen pathogenen (krankmachenden) Erreger, können bei einer Infektion mitunter massive Verdauungsprobleme auslösen. Weitere teils schwerverlaufende Symptome können nicht ausgeschlossen werden.

In „Cookie Dough“-Bars wird der Keksteig mit speziellem, wärmebehandeltem Mehl zubereitet. Dadurch musst du keine Lebensmittelinfektion durch unerhitztes Mehl befürchten.

Backpulver & Hefe

Nicht zuletzt kann es bei selbst gemachtem rohem Teig zu weiteren Beschwerden kommen. Im Gegensatz zu „Cookie Dough“-Bars wird selbst gemachter Teig meistens zusätzlich mit Backtriebmitteln vermischt, damit der Teig beim Backen aufgeht.

Anisplätzchen Viele Keksteige kommen ganz ohne Triebmittel aus, wie diese weihnachtlichen Anisplätzchen. Foto: SevenCooks

Der Volumenzuwachs und die locker-luftige Konsistenz ist beim Verzehr von rohem Teig hingegen nicht nötig. Falls du rohen Hefeteig oder Rührteig mit Backpulver naschst, kann es zu einer Ansammlung von CO2 in deinem Verdauungstrakt kommen.

Die unangenehmen Folgen der Gasansammlung durch Hefe oder Backpulver: Dein Magen rumort und es kann zu Bauschmerzen, Blähungen und krampfartigen Schmerzen kommen.

Gesundheitliche Risiken beim rohen Teig essen:

  • Salmonellen aus Eiern
  • Escherichia coli (VTEC), Bacillus cereus und Salmonellen aus Mehl
  • CO2 aus gegärtem Hefe- oder Rührteig

Fazit rohen Teig essen

Ich empfehle dir, selbstgemachten rohen Teig ohne Ei für Kuchen, Plätzchen und Co. aufgrund des Infektionsrisikos durch Mehl allenfalls in kleiner Probiermenge zu naschen. Dieser Tipp gilt auch für herzhafte Teige wie Hefeteig für Pizza oder Brot. Eihaltige rohe Teige solltest du komplett meiden.

Da Kleinkinder besonders empfindlich auf Krankheitserreger reagieren, solltest du beim gemeinsamen Backen darauf achten, dass dein Liebling nicht vom rohen Teig nascht.

Auf Eier solltest du beim Backen mit Kleinkindern besser ganz verzichten, da es kaum auszuschließen ist, dass die kleinen Hände im Mund landen – vor allem dann, wenn sich mehrere „Mini-Bäcker“ um den Tisch versammeln.

Wenn du schwanger bist oder stillst, lass lieber die Finger von rohem Teig. Auch ältere und kranke Personen sollten gebackene Kekse, Kuchen und Co. bevorzugen: Sie haben genau wie Babys und Kleinkinder geringere Abwehrkräfte.

Auch wenn von rohem Teig aus angesagten „Cookie Dough“-Bars kein Infektionsrisiko ausgeht, solltest du größere Mengen aufgrund des enthaltenen Zuckers, Fett und möglicher Zusatzstoffe meiden.

Gegen eine gelegentliche Portion „Cookie Dough“ – am besten in Bio-Qualität in wiederverwendbaren Bechern – ist meiner Meinung nach jedoch nichts einzuwenden. Mir persönlich würde allerdings der unwiderstehliche Duft frisch gebackener Cookies fehlen.

Finale Tipps beim Essen von rohem Teig:

  • Wenn der Teig Eier enthält: nicht roh essen.
  • Wenn er keine Eier enthält: nur in kleiner Menge probieren (ca. 1 TL).
  • Mit Kleinkindern immer eifrei backen, weil du das Naschen kaum verhindern kannst.
  • Bei gekauftem „Cookie Dough“ auf Bio-Qualität achten.
  • Während Schwangerschaft und Stillzeit keinen rohen Teig essen.
  • Für ältere und kranke Personen ist roher Teig nicht geeignet.

Lesetipps:

Titelbild: SevenCooks

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