Kochideen

Wie ein englischer Zocker das Sandwich erfand

Wir kennen und lieben es in tausend Variationen. Hauchdünn belegt oder so dick beladen, dass es kaum in den Mund passt. Doch woher stammt dieser weltbekannte Leckerbissen eigentlich?

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Es existiert in unzählbaren Variationen: das Sandwich. Jeder belegt es auf seine bevorzugte Weise. Doch wie sah eigentlich das Original aus und wer hat’s erfunden?

Eine unterhaltsame Anekdote gibt Auskunft über den Namensgeber des mehrschichtigen Leckerbissens: Es war John Montagu, der vierte Earl of Sandwich, ein englischer Adliger aus dem 18. Jahrhundert.

Sandwich Earl John Montagu

Der Adelstitel „Earl of Sandwich“ leitet sich von dem Städtchen Sandwich in der Grafschaft Kent ab. Es existiert immer noch und hat etwa 5000 Einwohner.

Besagter Earl of Sandwich soll ein begeisterter Kartenspieler gewesen sein. Was nicht weiter verwerflich ist. Im 18. Jahrhundert galt das Kartenspiel als angemessener Zeitvertreib für Gentlemen. Doch jeder, der schon einmal an einer ausgedehnten Pokerrunde teilgenommen hat, weiß: Irgendwann kommt der Hunger, aber deswegen das spannende Spiel unterbrechen? Kommt gar nicht in Frage.

Da bleibt einem nur Fingerfood, das man bestenfalls mit einer Hand essen kann. Schließlich muss man die Karten noch halten. Und es sollte möglichst wenig Spuren an den Fingern hinterlassen, weil diese sich sonst später auf den Spielkarten wiederfinden. Und wenn die Herz-Ass erstmal mit einem Fettfleck auf der Rückseite markiert ist, ist die Spannung dahin.

Ähnliche Gedanken müssen wohl dem Earl of Sandwich durch den Kopf gegangen sein. Als Adliger hatte er den Vorteil, die Details der Snackzubereitung seinen Bediensteten überlassen zu können. Er orderte schlicht etwas Fleisch zwischen zwei Brotscheiben. Das überzeugte auch die Mitspieler am Tisch und sie riefen den Dienern nach: „Ich nehme dasselbe wie Sandwich.“ Und schon hatte der handliche Brotsnack seinen Namen.

Historiker vermuten, dass bereits vor über 2000 Jahren, die ersten Vorläufer des Sandwichs belegt wurden.

Soweit zumindest die Anekdote. Tatsächlich gehen Historiker davon aus, dass ähnliche Gerichte bereits lange Zeit zuvor zubereitet wurden. Sie gehen laut jüdischer Sage zurück bis zu Hillel, dem Älteren, der 100 Jahre vor Beginn der christlichen Zeitrechnung in Babylon gelebt haben soll.

Beliebt wurde das Sandwich in ähnlichen Formen wie wir sie heute kennen aber erst im 18. Jahrhundert des Lord of Sandwich. Und der große Popularitätsschub kam während der Industrialisierung ein Jahrhundert später: Jetzt wo die Menschen vermehrt in Fabriken arbeiteten und viel unterwegs waren, stachen die Vorteile des Sandwichs. Es war schnell zubereitet, günstig und konnte mitgenommen werden.

Das Wall Street Journal bezeichnete das Sandwich einmal als „Britanniens größten Beitrag zur Gastronomie“. Ob das nun Lob oder Tadel ist, lassen wir mal dahingestellt. Fakt ist: Das Sandwich hat die Welt erobert und wir freuen uns über die zahlreichen Varianten.

Zum Abschluss noch was zum Schmunzeln: In der Nähe des englischen Ortes Sandwich gibt es ein Dörfchen (auf Englisch: Hamlet; abgekürzt: Ham), und einen Wegweiser, der zu beiden Ortschaften anzeigt: „Ham Sandwich“. Ob hungrige Reisende enttäuscht waren, als sie am Ziel angelangten, ist nicht bekannt ;-)

Hamsandwich Roadsign

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